Bitte zum Interview, Herr Waldkauz!

Kennst du den Vogel des Jahres 2017? Es ist der Waldkauz. Der Naturschutzbund Deutschland und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern haben diese Eulenart zum Vogel des Jahres gewählt, weil sie unter Wohnungsnot leidet. Denn der Waldkauz lebt in hohlen Bäumen, die oft abgeholzt werden. Wie der Waldkauz selbst seine Wahl findet? Das wollte die Klasse 6m des Nürnberger Dürer-Gymnasiums wis­sen. Für das Projekt „Umwelt macht Schule“ haben sie den Vogel einfach mal „interviewt“.

 

Hu-hu-huuuu... Manche finden den Ruf des Waldkauzes gruselig. Foto: dpa

Hu-hu-huuuu… Manche finden den Ruf des Waldkauzes gruselig. Foto: dpa

 

Guten Tag, Waldkauz, wie geht es dir?

Kasimir: Hallo Reporter! Mein wissenschaftlicher Name ist Strix aluco, aber ihr könnt mich Kasimir nen­nen. In letzter Zeit habe ich Stress, weil ein Baum mit meiner Baumhöhle gefällt wurde. Da ich zur Familie der eigentlichen Eulen gehö­re, brauche ich immer einen hohlen Baum als Unter­schlupf, in dem ich auch brüte. Daher freue ich mich, dass ich zum Vogel des Jahres gewählt wurde. Jetzt kann ich auf meine bedrohliche Lage aufmerk­sam machen.

 

War es denn schwer für dich, mitten am Tag zu unse­rem Interview zu fliegen?

Kasimir: Es ging so. Mei­ne graubraune Farbe tarnt mich gut, so hat mich kei­ner meiner Feinde bemerkt. Dazu zählen der Uhu, der Habicht, der Sperber und der Bussard, manchmal auch Krähen. Da ich nur 40 Zentimeter groß bin und etwa ein halbes Kilo wiege, können mich meine Flügel leicht durch die Lüfte tragen. Immerhin kann ich meine Flügel mehr als einen Meter weit aufspannen!

 

Hast du Hunger? Kön­nen wir dir was anbieten?

Kasimir: Ja, ich würde mich über eine kleine Maus freuen, oder ein paar andere Kleinsäuger, etwa Maulwürfe oder Ratten.
Manchmal fresse ich Vögel, und Regenwür­mer tun es auch. Wenn ich mir etwas zu essen suche, tue ich das nachts, denn ich bin nachtaktiv.

 

Wie findest du denn deine Beute?

Kasimir: Ich kann mei­nen großen runden Kopf fast um die gesamte Achse drehen, des­halb habe ich einen perfekten Rundum­blick. Meine Augen brauchen nicht viel Licht zum Sehen.

 

Wir kennen dich auch aus vielen Hor­rorfilmen…

Kasimir: Ja, dort wird oft mein Ruf verwendet. Den fin­den die Leute gruse­lig — dabei rufe ich doch nur Hu-hu­huuu. Damit markie­re ich mein Revier im Wald.

 

Wo fühlst du dich besonders wohl?

Kasimir: Ich brauche viele alte Bäume mit Baumhöhlen. Nahrung muss natürlich auch vor­handen sein. Schwierigkei­ten habe ich, wenn alte Bäume gefällt werden und meine Nahrung durch den Menschen vergiftet wird. Vie­le Menschen wissen nicht, dass das Abholzen der Bäu­me dem Wald und somit uns allen schadet.

 

Kannst du uns noch mehr über das Leben eines Wald­kauzes erzählen?

Kasimir: Aber natürlich! Wir bleiben unser ganzes Leben mit unserem Partner zusammen. Einmal im Jahr kriegen wir Nachwuchs. Wir legen zwei bis vier Eier und brüten sie etwa 28 Tage aus. Am Anfang werden unsere Jungen Nestlinge genannt: Sie bleiben einen Monat lang im Nest. Dann verlassen sie die Bruthöhle und sitzen noch etwa zwei weitere Mona­te im Baum, da heißen sie Äst­linge. In der Zeit versorgen wir Eltern sie. Anschließend verlassen sie ihre Familie. Wir Waldkäuze können bis zu 19 Jahre alt werden. Und wir bleiben stets in Deutsch­land – auch im Winter.

 

Jetzt haben wir dich gut kennengelernt, vielen Dank für das Interview!

Kasimir: Gerngeschehen! Bis demnächst nachts im Wald, hu-hu-huuuuuu…

 

Umwelt macht Schule

„Umwelt macht Schule“ ist ein Medienprojekt unter dem Dach der aktuellen Kam­pagne des Bun­desumweltministe­riums „Projekt Erd­ballkunde – Jugend macht Umwelt“ (www.erdballkunde.de). Es steht unter der Schirmherrschaft von Bundesumweltmi­nisterin Barbara Hendricks und wird zusam­men mit dem IZOP-Institut Aachen umge­setzt. Die Nürnberger Nachrichten sind Medien­partner der bundesweiten Initiative, an der sich zehn Tageszeitungen und 30 Schulen beteiligen. Die Schüler recherchieren aktuel­le Umweltthemen in ihrer Region.

Text: DAVID CAPPELL, KIAN SANDERS, YUSUF SEMINT, TOBIAS GRAF