An die Töpfe – fertig – los!

In Hersbruck haben 15 Kinder von Profis gelernt, wie man gut kocht

Liv (links) und Leander braten Würstchen und Fleisch. Worauf man da­bei achten sollte, haben sie als „Europa-Minikö­che“ gelernt – und sie haben auch die richtige Ausrüstung bekommen. Denn jeder Minikoch erhält am Anfang Koch­jacke, Schürze, Mütze und eine Krawatte als Arbeitskleidung sowie einen Koffer mit Brett­chen, Messern und Gemüseschäler. Foto: Annika Peißker

Liv (links) und Leander braten Würstchen und Fleisch. Worauf man da­bei achten sollte, haben sie als „Europa-Minikö­che“ gelernt – und sie haben auch die richtige Ausrüstung bekommen. Denn jeder Minikoch erhält am Anfang Koch­jacke, Schürze, Mütze und eine Krawatte sowie einen Koffer mit Brett­chen, Messern und Gemüseschäler. Foto: Annika Peißker

Hast du schon mal eine Suppe namens Minestrone gegessen? Oder Ravioli mit Trüffel-Füllung? Oder Spar­gel mit einer Sauce hollandaise (ge­sprochen: Soos hollondäs)? 15 Kinder aus Hersbruck wissen nicht nur, wie all das schmeckt, sondern auch, wie man es kocht. Denn sie sind „Europa­ Miniköche“ und haben sich in den ver­gangenen zwei Jahren von Profi­ Köchen ausbilden lassen.


In der großen Küche mit den vier Herden riecht es lecker – nach Brat­würstchen, Zwiebeln, geschmolzener Butter. Und es ist viel los: Während Mika Eier aufschlägt und verrührt, wenden Liv und Leander das Fleisch in der Pfanne. Lene und Annika holen den Braten aus dem Ofen; und Julius erzählt, was er über das Schälen von Spargel weiß: „Man darf nicht ganz oben anfangen zu schälen, sondern erst unterhalb der Spitze. Die Spitze ist das Beste am Spargel!“ Eineinhalb Stunden lang standen die Miniköche im Landwirtschafts­amt in Hersbruck an Herd und Schnei­debrettern, gleich wird serviert. Es gibt Petersilienkartoffeln mit Brat­würstchen und Schinken im Brotteig, dazu Spargel mit Sauce hollandaise in zwei verschiedenen Varianten. Ein wahres Festmahl!


Emma (links) und Franziska zeigen stolz ihr gekochtes Spargelgericht. Foto: Annika Peißker

Emma (links) und Franziska zeigen stolz ihr gekochtes Spargelgericht. Foto: Annika Peißker


Zu 20 solcher Kochnachmittage sind Lene, Emma und die anderen in den vergangenen zwei Jahren angetre­ten. Immer standen sie zusammen mit vier Profiköchen und einer Hobbykö­chin am Herd. „Mir haben die Gemüse­baggers und die Apfelküchle am bes­ten geschmeckt“, erzählt Regina, „die habe ich zu Hause nachgekocht.“ Die Profis haben den Kindern viel erklärt: Wie nehme ich eine Forelle aus? Auf welche drei Arten lassen sich Spätzle herstellen? Und wie nennt man die Fleischteile am Tier? „Einmal hat einer der Köche ein ganzes Lamm mitgebracht. Das haben wir dann zer­sägt und zerlegt“, erzählt Emma begeistert. Auch Cocktails mixen und Plätzchen backen stand auf dem Pro­gramm der Miniköche.


Schon seit über 25 Jahren werden Miniköche ausgebildet. Aktuell gibt es etwa 15 Gruppen in ganz Bayern. Die erste bayerische Gruppe entstand 2001 in Hersbruck; derzeit läuft hier die sechste Runde. „Wir wollen den Kindern zeigen, wie einfach es ist, gutes Essen zu kochen. Allein aus Kar­toffeln und Karotten kann man so viel machen“, sagt Küchenmeister Hans Heberlein, einer der Profis aus Hers­bruck.


Zu gutem Essen gehören auch die richtigen Zutaten. Welche das sind, hat eine Ernährungswissenschaftlerin den Mädchen und Jungen beige­bracht. In mehreren Unterrichtsstun­den lernten sie, welche Getreidesorten und welche Arten von Fetten es gibt, welches Gemüse wann reif wird und worauf man bei Fleisch und Wurst achten muss. Kein Wunder, dass die Kinder jetzt am Ende der Ausbildung viele Tipps parat haben. Ihr Wissen haben die jungen Köche, die alle zehn und elf Jahre alt sind, vor kurzem in einer Abschlussprüfung bewiesen. Alle haben bestanden; bald werden sie mit einer Urkunde ausge­zeichnet und dürfen beim Abschluss­fest richtig feiern.


Und danach? Zumindest bei Emma geht das Kochen auch daheim weiter: „Bei uns gibt es einen festen Termin, an dem wir Kinder kochen.“ Die Zehn­jährige empfiehlt das allen Familien: „Wenn wir Kinder kochen, schmeckt es am besten, und wir stochern hinter­her nicht im Essen rum.“


Text: ANNIKA PEISSKER