Raufen — und die Eltern schauen zu

Bei den Laubendorfer Nachwuchs-Ringern geht es aber nicht nur um den Kampf

Schau mir in die Augen! Einen Handschlag später beginnt der Kampf zwischen Paul (rechts) und Valentin. Foto: Thomas Scherer

Schau mir in die Augen! Einen Handschlag später beginnt der Kampf zwischen Paul (rechts) und Valentin. Foto: Thomas Scherer

Ein paar schnelle Griffe, und schon liegt der Gegner am Boden: Bei den Ringern der Sportfreunde Lauben­dorf, ein Ortsteil von Langenzenn, wird man fit — und kann auch noch erfolgreich sein. Wir haben den kämpfenden Kindern beim Training über die Schulter geschaut.

 

Der Weg zum Deutschen Meister beginnt genau hier. Auf einer blau­roten Matte in einer kleinen Schul­turnhalle. Abklatschen – und schon geht es los. In Sekundenschnelle liegt Paul auf dem Boden, wehrt sich nach Kräften, aber Valentin scheint in diesem Moment übermächtig. Zweimal wöchentlich treffen sich Kinder in Langenzenn, um gegenein­ander zu kämpfen. Um mit Erlaub­nis ihrer Eltern zu raufen. Wo? Beim Ringen. Seit knapp zwei Jahren gibt es diese Abteilung der Sportfreunde Laubendorf – und genauso lange sind auch Paul und Valentin dabei.

 

Paul ist neun Jahre alt, steht aber schon seit seinem 4. Lebensjahr auf der Matte. Das Interesse am Sport hat er quasi vererbt bekommen – sein Papa ist auch Ringer. Vor kurz­em hat Paul die Bezirksmeister­schaft in seiner Gewichtsklasse gewonnen, doch Ziele hat er weitaus größere: „Ich will später mal Deut­scher Meister werden“, sagt er. Ganz so, als sei es das Normalste auf der Welt. Dazu geht Paul joggen, in den Kraftraum oder macht daheim Liege­stützen.

 

Valentin steht den Träumen seines Teamkollegen in nichts nach – auch er antwortet auf die Frage nach sportlichen Zielen mit fünf Worten: „Ich will Deutscher Meister wer­den.“ Dabei ringt er erst, seit es in Langenzenn angeboten wird. „Ich wollte schon immer Kampfsport machen, weil ich Fußball nicht so mag“, sagt der Zwölfjährige. „Beim Ringen kann man sich nicht so sehr verletzen.“ Noch viel mehr Vorteile kann Jürgen Bachmayr aufzählen. Der Mann mit dem breiten Kreuz ist einer der Trainer. „Ringen schult das Selbstbewusstsein und schafft auch eine gewisse Grund­entspannung“, sagt er. Oft beobach­te er Kinder, die ständig unter Strom stehen und dann im Training Diszi­plin lernen. „Sie dürfen hier nicht unfair sein und müssen Regeln befol­gen.“ Und wenn mancher denkt, er sei sowieso der Stärkste, dann aber an einen erfahrenen Ringer gerät, „dann macht der erst einmal große Augen“.

 

Kilian beispielsweise wurde frü­her oft in der Schule geärgert, erzählt er. Inzwischen kann er sich ohne Gewalt locker dagegen verteidi­gen, „die sind dann meistens schnell ruhig“, sagt er und grinst schel­misch. Daneben lernen die Kinder beim Ringen auch viele akrobatische Dinge, „mancher kann nach einiger Zeit locker einen Kopf- und einen Handstand“, sagt Jürgen Bachmayr.
Selbst die Kleinsten, teilweise erst fünf Jahre alt, werden so in ihrer Beweglichkeit geschult.

 

Ein „unbe­wusstes Kraftausdauertraining“ sei es für viele, wenn sie doch eigentlich nur etwas herumtollen. Bei seiner Arbeit hat der Trainer allerdings auch etwas für ihn Erschreckendes festgestellt: „Manche Kinder können heutzutage nicht mal mehr eine Vor­wärtsrolle. Der Schulsport scheint immer schlechter zu werden.“ Eine halbe Stunde später sind Paul und Valentin wieder eng mitein­ander verschlungen. Wie ein verkno­tetes Seil winden sie sich auf dem Boden. Alles für die großen Ziele.

 

Text: MICHAEL FISCHER