Schneeliebhaber und Schneehasser

Wie sich Tiere gegen die Kälte schützen

Der Tiger fühlt sich im Schnee pudelwohl.

Der Tiger fühlt sich im Schnee pudelwohl. FOTO: Günter Distler

Menschen schützen sich mit Kleidung vor Frost und Kälte. Aber weißt du, wie es Tiere machen? Die meisten Tiere setzen auf ein dickeres Fell und Bewegung. Doch nicht alle Arten beherrschen das.

Charlotte und Mama Vera freuen sich über den Winter — als Eisbären fürchten sie sich nicht vor Kälte. Mit ihrem dicken Fell frieren die beiden nicht und können durch den Schnee toben. Auch die Raubkatzen Katinka und ihre Babys Aljoscha und Volodya dürfen im Winter raus. Die niedrigen Temperaturen machen ihnen nichts aus. „So lange wir das Wasser in den Gräben eisfrei halten, dürfen die Raubkatzen auf die Außenanlage“, erklärt Zooinspektor Max Reinhard.


Umzugshelfer im Zoo


Zu diesen Tieren zählen in Nürnberg zum Beispiel die sibirischen Tiger, die asiatischen Löwen, Geparde, Schneeleoparden, Luchse und Fischkatzen. Als Zooinspektor ist Max Reinhard Chef der Tierpfleger und kümmert sich um einen reibungslosen Ablauf im Zoo-Alltag. Wenn beispielsweise ein neues Tier in den Tiergarten einzieht, überwacht er den Transport und wartet, bis das Tier sicher im Stall steht.

Giraffen müssen bei Glatteis vorsichtig sein: Sie können leicht ausrutschen und sich etwas brechen. FOTO:: Tiergarten Nürnberg

Giraffen müssen bei Glatteis vorsichtig sein: Sie können leicht ausrutschen und sich etwas brechen.
FOTO:: Tiergarten Nürnberg



Afrikanische Huftiere wie Giraffen, Antilopen und Zebras reagieren empfindlicher auf Schnee und Eis. Eine vereiste Fläche auf der Anlage ist gefährlich, weil die bis zu fünf Meter großen Giraffen vor der unbekannten glatten Fläche erschrecken, leicht ausrutschen und sich etwas brechen können. Wie bei unseren Gehwegen wird deshalb auch bei Glätte Sand in den Gehegen verteilt, um sie rutschsicher zu machen. „Denn der Großteil der Tiere geht auch gerne raus, wenn es gefriert“, stellt Max Reinhard fest. „Wenn es sehr kalt ist, bleiben die Tiere für maximal zwei Stunden draußen, und den Rest des Tages verbringen sie in ihrem warmen Stall.“

Eisbären oder Tiger passen sich mit einem dicken Winterfell an die Temperaturen im Winter an, afrikanische Tiere wie die Erdmännchen mit einem dichteren Fell. Die Erdmännchen können sich aber auch ein Plätzchen an der Wärmelampe suchen, die das ganze Jahr über in ihrem Gehege steht.
Wenn Menschen frieren, reiben sie sich die Hände, hüpfen auf der Stelle oder gehen auf und ab. Bei einer Antilope sieht das dann so aus: Sie stellt die Beine eng aneinander, macht einen Buckel und bewegt sich keinen Zentimeter mehr. Ihre Muskeln zittern bei kalten Temperaturen.

Raubtiere wie Tigerin Katinka beginnen, in ihrem Gehege auf- und abzulaufen, sobald sie anfangen zu frieren. Winterzeit ist Erkältungszeit. Auch Tiergartentiere können eine Erkältung bekommen — aber nicht so leicht. Auslöser für Erkältungen bei Tieren sind Bakterien, die zu Rachen- und Lungenentzündungen führen können.
Die Tapire im Tiergarten haben beispielsweise schon mal Schnupfen, und dann läuft die Nase beziehungsweise ihr kurzer Rüssel. Mit diesem greifen die Tiere ihr Essen. „Sie dürfen dann an einer Kräuterlösung schnuppern und bekommen schleimlösende Medikamente“, erzählt der Zooinspektor.

Fischotter und Buntmarder lieben den Schnee und haben viel Spaß beim Spielen. „Wenn richtig viel Schnee liegt, dann tauchen die Fischotter durch ihn hindurch“, sagt Max Reinhard und lacht. „Auch die Zebras springen übermütig durchs Gehege, sobald Schnee liegt.“
Die Delfine in der Lagune ziehen im Winter ins alte Delfinarium um, denn ab minus fünf Grad wird es für sie zu kalt. Über zwei Becken der Lagune bauen die Zoomitarbeiter außerdem eine Art Schutzzelt auf. Die Delfine können zwischen dem Delfinarium und den Lagunen-Becken dann hin- und herwechseln, wie es ihnen gefällt. Wenn es in den Wintermonaten nicht zu kalt ist, führen die Delfine auch ihre tollen Kunststücke vor.


Für Faule gibt es weniger Futter

Die Zebras im Nürnberger Tiergarten mögen Schnee nicht besonders. FOTO: Roland Fengler

Die Zebras im Nürnberger Tiergarten mögen Schnee nicht besonders. FOTO: Roland Fengler


Das Futter für die Zootiere wird im Winter an ihr Verhalten angepasst: Die Zebras zum Beispiel bewegen sich im Winter nicht so viel und verbringen mehr Zeit im Stall. Bei weniger Bewegung gibt es auch weniger zu fressen. Statt frischem Gras bekommen die Pflanzenfresser im Winter übrigens täglich eine Portion Heu. Die Löwen toben sich auf ihrer Außenanlage aus und brauchen daher mehr Futter.

Die Tierpfleger lassen sich in der kalten Jahreszeit einiges einfallen, um die Zootiere aktiv und bei Laune zu halten. So verpacken sie das Futter oder verstecken es, zum Beispiel in Plastikkanistern. Für die Pflanzenfresser gibt es Äste, von denen die Tiere die Blätter abfressen oder die Rinde abnagen können. Für die Tiger verteilen die Tierpfleger Geruchsstoffe im Außengehege, damit sie neue Gerüche kennenlernen. Außerdem dürfen die Tiere mit Bällen spielen.

Text: STEPHANIE MEISSNER