Vorbereitung auf die EM

Die Kicker-Regeln zum Mitreden

ARCHIV - Fußball 1. Bundesliga 25. Spieltag: Hamburger SV - FSV Mainz 05 am Sonntag (06.03.2011) in der Imtech Arena. Der Hamburger Torwart Frank Rost hebt den Ball auf. Wenn der Ball beim Abstoß ins eigene Tor fliegt, wird er wiederholt. Foto: Malte Christians/dpa

Abstoß vom Torwart der anderen Mannschaft. Foto: Malte Christians/dpa

Nach einem Tor gibt es Anstoß für den Gegner. Das ist eine bekannte Fußball-Regel. Doch es gibt auch kuriose Vorschriften. Davon stellen wir dir einige vor – zum Mitreden bei der Europameisterschaft.

 

Abstoß ins Tor – noch einmal das Ganze!

Ein Spieler der anderen Mannschaft hat den Ball über die Torlinie geschossen. Es gibt also Abstoß. Der Torwart legt sich den Ball zurecht, nimmt Anlauf und rutscht aus. Dadurch trifft er den Ball so unglücklich, dass dieser direkt ins eigene Tor rollt.
Doch Glück gehabt! Der Abstoß wird einfach wiederholt. Denn in den Fußball-Regeln steht: Durch einen Abstoß kann nur das Team direkt ein Tor erzielen, das diesen ausführt. Aus einem Vorteil soll nicht direkt ein Nachteil entstehen. Das wäre der Fall, wenn das Eigentor durch den verunglückten Abstoß zählte

 

Mauer auf der Linie

Um ein Tor zu verhindern, stellen sich einfach alle Fußballer auf die Torlinie. So eine Mauer auf der Linie ist tatsächlich erlaubt. Besonders bei einer bestimmten Situation stellen sich die Spieler ab und zu auf der Torlinie auf: bei einem indirekten Freistoß im Strafraum. Denn dieser wird kurz vor dem Tor ausgeführt.
Aber gibt es im Strafraum nicht Elfmeter, wenn jemand gegen die Regeln verstößt? Nicht unbedingt! Einen indirekten Freistoß im Strafraum pfeift der Schiri etwa, wenn der Torwart einen Rückpass in die Hand nimmt – also wenn ein Mitspieler ihm den Ball absichtlich zugespielt hat. Indirekt bedeutet, dass der Ball nicht sofort aufs Tor geknallt werden darf. Ein Mitspieler muss ihn zunächst berühren. Erst danach darf der Schütze den Ball aufs Tor schießen. Dort versuchen die Fußballer in der Mauer, den Schuss abzuwehren.

 

Der belgische Spieler Sergey Kornilenko bekommt die rote Karte gezeigt nach einem Foul in der Euro 2012 Gruppe D der Qualifikation Luxemburg gegen Weißrussland im Josy Barthel Stadion, in Luxemburg, Luxemburg, 08 Oktober 2010. Wer eine rote Karte bekommt, muss mindestens eine Partie aussetzen. Foto: Christophe Karaba/dpa

Rote Karte für den belgischen Spieler Sergey Kornilenko. Foto: Christophe Karaba/dpa

Elf Mann trotz roter Karte

Rote Karte! Das heißt, die Mannschaft muss ab sofort mit einem Spieler weniger kicken. Doch in einem Fall ist es tatsächlich anders: wenn ein Spieler schon vor dem Anpfiff eine rote Karte bekommt – zum Beispiel dafür, dass er vor Spielbeginn den Schiedsrichter beleidigt hat.
In diesem Fall darf die betroffene Mannschaft den Spieler ersetzen, der Rot gesehen hat. Sie kann also ganz normal mit elf Kickern antreten. Übrigens: Der Schiri kann auch Karten in der Halbzeit-Pause und nach dem Abpfiff verteilen – wenn sich jemand auf dem Platz daneben benimmt.
Bei der EM gilt zum Thema Karten folgende Regel: Bekommt ein Spieler in zwei verschiedenen Spielen eine gelbe Karte, ist er für eine Partie gesperrt. Nach dem Viertelfinale verfällt eine einzelne gelbe Karte allerdings. Das bedeutet: Wer im Halbfinale eine gelbe Karte bekommt, kann auf keinen Fall deshalb fürs Finale gesperrt werden. Wer allerdings eine rote Karte kassiert, muss auf jeden Fall mindestens eine Partie aussetzen – selbst wenn es das Endspiel ist!

 

Sieben Kicker müsst ihr sein

Eine Fußball-Mannschaft besteht normalerweise aus elf Spielern: zehn auf dem Feld und einer im Tor – logisch. Normalerweise kommt kein Club auf die Idee, mit weniger Kickern aufzulaufen, erst recht nicht bei den Profis.
Bei Teams aus tieferen Ligen kann so etwas aber schon mal passieren. Der betroffene Trainer bekommt vor einem Spiel einfach keine elf Fußballer zusammen. Zum Beispiel, weil mehrere Spieler krank sind. Die offiziellen Fußball-Regeln sagen aber: Es müssen mindestens sieben Spieler zur Partie antreten. Sonst pfeift der Schiedsrichter das Spiel erst gar nicht an.
Bundestrainer Joachim Löw wird so etwas bei der Europameisterschaft sicher nicht passieren. Schließlich darf der Trainer der deutschen Nationalmannschaft 23 Spieler mit zum Turnier nehmen.

 

Pass – Schiri – Tor!

Jemanden wie Luft zu behandeln, ist nicht besonders nett. Beim Fußball muss man das aber manchmal. Man sagt: Der Schiedsrichter sollte wie Luft behandelt werden. Wird er also aus Versehen angeschossen, geht das Spiel ganz normal weiter. Manchmal bleibt ein Pass beim Schiedsrichter hängen – oder der Ball prallt vom Schiri ins Seitenaus. In diesem Fall bekommt die gegnerische Mannschaft Einwurf. Noch ärgerlicher ist es, wenn der Ball vom Schiri ins Tor prallt. Aber Regel ist Regel, das Tor zählt!
Glücklicherweise kommt so ein unabsichtliches Schiedsrichter-Tor fast nie vor. Denn der Schiri passt gut auf, dass er den Ball nicht berührt. Außerdem steht er normalerweise nicht direkt vor dem Tor herum. Grundsätzlich ist wichtig, dass sich der Schiedsrichter immer so nah wie möglich am Spielgeschehen befindet. Dabei kann es eben auch vorkommen, dass er dem Ball nicht ausweichen kann.

 

Farbenspiele auf dem Fußball-Platz

Oha! Die beiden sehen sich ja zum Verwechseln ähnlich. Bei den Torhütern von Fußball-Mannschaften kann das tatsächlich vorkommen. Für diese beiden schreiben die Regeln nur vor: Ihre Trikots müssen eine andere Farbe haben als die der Feldspieler.
Für die Trikots der anderen Spieler gibt es genauere Vorschriften: Deren Farben müssen sich deutlich voneinander unterscheiden. Schließlich wäre es blöd, wenn man die Spieler der beiden Mannschaften kaum auseinanderhalten könnte. Normalerweise haben Mannschaften mindestens zwei Trikots: eins für Heimspiele und eins für Auswärtsspiele. Im eigenen Stadion spielen die Teams also in der Regel mit ihrem Heim-Trikot. Der Gast  darf nicht die gleiche Trikotfarbe tragen. Für die Spiele der EM wurde das Heimrecht festgelegt. Schließlich spielt dort kein Team im eigenen Stadion, bis auf Gastgeber Frankreich. Wer Heimrecht hat, wird im Spielplan bei einer Partie als Erstes genannt. Damit steht fest, welches Nationalteam bei den EM-Spielen jeweils im Heim-Trikot kickt. Das der deutschen Mannschaft zum Beispiel ist weiß. Die Farben ihres aktuellen Auswärts-Trikots sind Grau und Grün.

 

Deutschlands Jerome Boateng beim Einwurf im Spiel der Gruppe B Deutschland gegen Portugal, Arena Lviv in Lviv, the Ukraine, 09. Juni 2012. Landet ein Einwurf direkt im eigenen Tor, zählt der Treffer nicht. Foto: Marcus Brandt/dpa

Jerome Boateng beim Einwurf im Spiel der Gruppe B Deutschland gegen Portugal, am 09. Juni 2012. Landet ein Einwurf direkt im eigenen Tor, zählt der Treffer nicht. Foto: Marcus Brandt/dpa

Ins Tor geworfen

Oh nein! Ich habe den Fußball von der Seitenlinie aus in unser Tor geworfen. Doch das ist kein Grund zur Aufregung. Landet ein Einwurf direkt im eigenen Tor, zählt der Treffer nicht. Es gibt stattdessen Eckstoß für die gegnerische Mannschaft.
Ein Tor zählt allerdings auch nicht, wenn ein Spieler den Ball beim Einwurf direkt in den Kasten des Gegners schmeißt. In diesem Fall entscheidet der Schiedsrichter auf Abstoß fürs andere Team.
Für den Einwurf selbst gibt es natürlich auch Regeln. Der Ball muss zum Beispiel mit beiden Händen von hinten über den Kopf geworfen werden. Ganz so vorschriftsmäßig werfen die Kicker den Ball allerdings nicht immer. Aber dass der Schiri auf falschen Einwurf entscheidet – das passiert eher selten.

 

Text: DPA