Wer gewinnt den Wettlauf gegen T-Rex?

Klar, in Wirklichkeit sind sich Dinosaurier und Menschen nie begegnet. Aber falls dem so gewesen wäre: Hätten wir vor einem T-Rex flüchten können? Und wie hätte es sich angefühlt, als Mensch unter einem Brachiosaurus zu stehen? Solche Dinge kannst du im Dinosaurier-Freiluftmuseum Altmühltal testen.

 

Simon, links, und Lukas mit Torvosaurus_web

Simon (links) und Lukas auf Tuchfühlung mit einem Torvosaurus. Foto: Annika Peißker

 

Die Schwanzspitze windet sich zwischen Ästen und Baumstämmen entlang, der Kopf hängt zwischen grünen Zweigen. Fast könnte man ihn übersehen, diesen gut getarnten Diplodocus. Dabei ist er der Größte hier im Dinopark: Mit einer Länge von 30 Metern ist der Diplodocus das längste Tier, das jemals an Land gelebt hat. Allein sein Hals misst acht Meter! Zum Vergleich: Ein Giraffenhals bringt es gerade mal auf zwei Meter.
„Der Diplodocus war den ganzen Tag am Fressen, um sich mit Energie zu versorgen“, erzählt Frederik Spindler. Er ist Saurierforscher und der wissenschaftliche Leiter des Parks. Und wie hat sich der Diplodocus gegen Feinde gewehrt, wenn er den ganzen Tag nur am Blätterknabbern war?

 

Schwanz als Waffe

 

Ganz einfach, er hatte eine verdammt gute Waffe, weiß Frederik Spindler: „Wenn eine ganze Horde durch den Wald lief, peitschten ihre Schwänze hin und her. Diese konnten sich schneller als der Schall bewegen – die wollte auch ein Raubsaurier nicht ins Gesicht bekommen. Deshalb hatte ein ausgewachsener Diplodocus keine Feinde mehr.“
Nur ein paar Schritte weiter steht man dann dem höchsten Dino des Parks gegenüber: dem Brachiosaurus. Simon und Lukas, die beiden Zwölfjährigen, können dem lebensgroßen Modell gerade mal bis ans Knie langen.

 

Der Hals reicht bis zu zwölf Meter hoch. Und trotzdem: „Als frisch geschlüpfte Babys hätte man jeden Dino auf dem Arm tragen können, auch den Brachiosaurus“, sagt Frederik Spindler. Denn: Alle Dinos sind aus Eiern geschlüpft – und auch das Ei eines Brachiosaurus wurde gerade mal etwa 20 Zentimeter groß.
Groß und Klein reihen sich im Dinopark nah aneinander. So kann man auf einem Stein im Wald auch einen Euparkeria entdecken. Das etwa einen halben Meter große Tier war ein Urvater unserer Krokodile. Mehr als 60 Modelle in Originalgröße gibt es im Dinopark zu bestaunen; sie sind entlang eines 1,5 Kilometer langen Rundwegs mitten im Wald aufgestellt.

 

Dabei beginnt der Rundgang schon vor der Dino-Zeit. Ein mehrere Meter langer Panzerfisch, eine riesige Libelle oder ein Säugetier-Vorfahre mit einem riesigen Rückensegel zeigen, welche Tiere schon im Erdaltertum unseren Planeten bevölkerten.
Was wenige wissen: Bevor die Dinos entstanden, gab es schon mal ein Massensterben auf der Erde. „Vor etwa 252 Millionen Jahren wurden bis zu 90 Prozent aller Arten ausgelöscht. Das erst war die Chance für die Reptilien“, erzählt Frederik Spindler.

 

Eine Dino-Kralle ertasten

 

Als er den Rundgang entworfen hat, wollte er zeitliche Abläufe und wissenschaftliche Erkenntnisse korrekt darstellen. Trotzdem strotzen die Erklärtafeln nicht vor komplizierten Begriffen. „Uns war es wichtiger, Geschichten zu den Dinos zu erzählen“, sagt Spindler. Und die Besucher auch zum Mitmachen anzuregen. An einer Station kann man zum Beispiel austesten, ob man Zahn oder Kralle eines T-Rex erfühlen kann.

 

Für Simon und Lukas ist die Sache klar: „Der Park ist cool, man entdeckt jedes Mal wieder etwas Interessantes.“ So wissen die beiden nun auch, ob sie es geschafft hätten, einem Dino zu entfliehen. Auf einer Sprintstrecke nämlich kann jeder seine Geschwindigkeit messen.
Die beiden Zwölfjährigen haben es auf 18 Kilometer pro Stunde (km/h) gebracht. Einen Stegosaurus, der etwa sieben km/h schnell wurde, hätten sie damit locker abgehängt. Gegen einen T-Rex mit seinen 28 km/h oder gar gegen einen Gallimimus mit mehr als 60 km/h hätten sie allerdings schlechte Karten gehabt . . .

 

Annika Peißker