Zu Besuch bei Riesenmaschinen

Mit großen Zahlen geizen sie ebensowenig wie mit großen Gefährten: Um Nürnberg schön und sauber zu halten, arbeiten 650 Mitarbeiter des Servicebetriebes Öffentlicher Raum (Sör) mit 450 Fahrzeugen. Bis zu einer halben Million Euro kann so ein Gefährt kosten! Die Fahrzeuge wiegen schon mal 28 Tonnen und haben bis zu 400 PS unter der Haube. Mit ihnen kümmert sich Sör um die Straßen, Gehwege, Bäume, Grünflächen und die Müllentsorgung der Stadt. Wir haben hinter die Kulissen des Sör-Fuhrparks geblickt.

 

Die Ferienreporter erkunden Sör. Foto: Philipp Rothenbacher

Die Ferienreporter erkunden Sör. Foto: Philipp Rothenbacher

 

Thomas Krapp ist ein absoluter Fachmann. „Seit 27 Jahren bin ich bei der Stadt Nürnberg angestellt“, sagt der 47-jährige Kraftverkehrsmeister, der heute im Sör-Fuhrpark arbeitet. Krapp ist zuständig für Kehrmaschinen und Sonderfahrzeuge von Sör, zum Beispiel Schlammsaugfahrzeuge, Unimogs (das ist kurz für Universal-Motor-Gerät), Müllfahrzeuge und Groß- beziehungsweise Kleinkehrmaschinen.
Auf die Unimogs kann man nach dem Baukastenprinzip verschiedene Aufbauten montieren: Da gibt es Schneeschaufeln und automatische Astscheren, Greif- und Gießarme, Kreissägen, Häcksler und Mäher. Und einen Aufsatz namens Buschhackerrotorkopf. Der kommt beispielsweise an Straßen- und Bahngleisböschungen zum Einsatz, um dicke Sträucher und Gehölze zu zerhäckseln.

 

„Das Schlamm-saugfahrzeug ist im Fuhrpark unser teuerstes Gerät“, sagt Krapp. Es kostet 500 000 Euro und mit ihm kann man Gullys aussaugen. Eines der seltsamsten Fahrzeuge von Sör ist der sogenannte Hundekotsauger: eine Art Motorroller, der mit seinen verschiedenen Saugschläuchen und Signallampen aussieht, als wäre er ein Gefährt der Ghostbusters. Aber, wie der Name schon sagt, befreit der Roller Nürnberg nicht von spukenden Geistern, sondern die Gehwege, Parks und Plätze von stinkenden Hundehaufen.
Dann führt uns Thomas Krapp über das große Fuhrpark-Gelände mit seinen riesigen Hallen und Werkstätten und erzählt dabei Interessantes aus der Vergangenheit. Zum Beispiel, dass das Gelände in der Großreuther Straße früher ein Flughafen war. „Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg hat man hier in den Hallen noch einige Messerschmitt-Kampfflugzeuge entdeckt“, sagt er.

 

Uneingeladene Gäste

 

Danach öffnet er zwei große, kegelförmige Lager-Dome. In einem der beiden Dome lagern aktuell 5000 Tonnen Streusalz für den Winterdienst, maximal fasst das Innere 11 000 Tonnen Salz. Das entspricht dem Gewicht von rund 70 Blauwalen! Im anderen Dom lagert Blähton, ein salzfreies Winterstreu. Als wir einen der gewaltigen Kegel betreten, fliegen Tauben über unsere Köpfe hinweg, auf dem Boden liegen Vogeleier. „Hier drinnen nisten viele Vögel“, sagt Krapp.
Aber es gab auch schon uneingeladene Gäste: „Eines Tages öffneten wir einen der Dome und fanden darin Campingstühle und Fackeln.“ Woher die kamen? Jugendliche waren über den Schutzzaun geklettert und in den Dom eingebrochen, um ein bisschen Party zu machen. „Seitdem sind die Eingangstüren besser verschlossen“, sagt Krapp. Mutig erklimmen wir die Salzberge, leichtes Winter-Feeling kommt auf. Aber wir haben Sommer — also geht’s weiter.
Außerhalb der Streugut-Lager steht wieder etwas sehr Gewaltiges: der größte Schneepflug, den Sör besitzt. Er ist teleskopierbar, das heißt, man kann ihn auf bis zu 6,50 Meter ausfahren. „Den haben wir ausschließlich für Winterräumdienste auf dem Frankenschnellweg“, erklärt Krapp.

 

Unimog-Fahren für Anfänger

 

Zum Abschluss unseres spannenden Tages zwischen all diesen großen Maschinen, superteuren Fahrzeugen und unaussprechlichen Aufbauten dürfen wir dann noch in einem Unimog mitfahren: Eine wirklich aufregende Erfahrung, oben in der Führerkabine zu sitzen und in 2,50 Metern Höhe über die Straße zu fegen!
Der Fahrer erklärt uns ganz praktisch, wie ein Unimog funktioniert. Und auf unseren extrem gut gefederten Beifahrersitzen fühlen wir uns schon ein bisschen wie die Könige der Straße.

 

RAPHAEL KNEIPP, TIM HOFER